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Mit neuer Crew ostwärts und wieder zurück nach Puerto Rico

Reiseblog – vom Greenhorn und Möchtegern-Nautiker Philipp

Tag 1 – die Marina – unser Ausgangspunkt – Freitag, 27.2.26

Sabrina kam als letzte unserer Crew am späten Abend in San Juan an, und wurde von den anderen 3 Crewmitgliedern herzlich begrüsst. Alle Koffer im Hyundai verstaut begann die Fahrt unter der Leitung von Chauffeur Bänz (in weiteren Berichten wird sich herausstellen, dass Bänz mehrere Berufsbezeichnungen und Titel hat, und zu einem späteren Zeitpunkt kann ich euch verraten, weshalb sich Bänz mit ä und nicht mit e, wie ein deutscher Automobilhersteller, schreibt) zur Marina Puerto del Rey in der kleinen Ortschaft Ceiba auf Puerto Rico. Schon während der Fahrt stellte sich heraus, dass sich unser (jetzt noch) Chauffeur sehr gut um unser Wohl kümmern wird, denn es blieb keine Frage unbeantwortet bzw. von ihm nicht gestellt, wie z.B. ob wir noch Hunger hätten und noch etwas essen gehen möchten. Da der Tag fortgeschritten und alle müde genug, liessen wir das mit dem Essen einstimmig bleiben. Bänz und der Hyundai haben uns perfekt zum Ziel gebracht. Dort angekommen klappte auch der Crew-Transfer vom Marina-Parkplatz zur sea magiX, die am Steg 8 geduldig auf uns wartete. Einpuffen, kurze Info über Schuhe, Kakerlaken und die Marina mit WC und Dusche, und dann nur noch die Füsse strecken und schlafen.

Tag 2 – wir legen ab – Luxus adieu – Samstag, 28.2.26

Bänz (der Eigner des Bootes, welcher heute erklärt, wie ein Eigner ist) hat uns schon am Vorabend über seinen durchgetakteten Vormittag informiert. Nebst Wäsche und Hyundai, hat er für sich auch noch eine Velotour geplant und ablegen der Leinen um spätestens 11.00h angesetzt. Obwohl das für mich bereits im Holiday-Mode-Befindlicher, ein sehr unwahrscheinlich zu erreichender und sehr ambitiöser Plan war, hiess es eher noch vor der Zeit Leinen los und die Genua (ich wusste schon vor diesem Turn, welches Segel so genannt wird) wurde gehisst. Der Diesel geht aus, der Wind ist schon an, und unser Wohnmobil ohne Räder nimmt Fahrt auf. Die Überfahrt zur Isla Palominos wurde von Sandra am Ruder zur Spazierfahrt. Die Palomina Beach ist auch für Boote mit leistungsstarken Musikanlagen beliebt, und auch Wassertöffs sowie Latinas mit Rasta-Extensions und knappen Bikinis sind hier gut vertreten. Auffallend ist die Unverzichtbarkeit derer Smartphones, in die permanent mit Botox-Smile gegrinst, und dabei nach dem besten Hintergrund gesucht wird. Nach der privaten Flugshow einer 2-motorigen US-Transport-Maschine hatten wir genug Action und wir verliessen die schöne Bay in südliche Richtung. Auf der südwestlichen Seite der Isla Piñeros setzte Bänz (unser Skipper) den Anker und verwöhnte uns kulinarisch mit zweierlei Sorten Brot, Butter und Frischkäse mit Gewürzen. Dieses Abendessen wurde von der Crew gewünscht, da uns Bänz (unser Gourmet-Koch – Titel/Beruf Nr. 4) am Mittag in der Partybucht einen 5-Sterne-Teigwaren-Salat gekocht und serviert hat. Nach einer kurzen Besprechung für den kommenden Tag war Lichterlöschen und wir schliefen schaukelnd ein.

Tag 3 – böser Keks, böse Banane, böse Qualle – Sonntag, 1.3.26

Frühstück machen scheint Sache des Skippers (Bänz-Titel Nr. 5) zu sein. Wir werden verwöhnt mit einem feinen Birchermüesli mit Früchten und Nüssen, dazu wahlweise Jus, Tee, Kaffee – just alles was das Herz begehrt. Sabrina steht am Ruder und manövriert nach der bänzschen Ankerlichtung aus der Bucht in Richtung Vieques. Auf halber Fahrt, in für mich jetzt schon sehr ruppigem Gewässer, übernahm Sandra das Steuer und brachte uns zum Mosquito-Pier. Es muss einer der 10 Kekse (ugs: Guetzli) gewesen sein, der verdorben und exakt im Magen von Sabrina gelandet ist. Denn ganz sicher musste dieser für das Reelinghusten von besagtem Crewmitglied (f) verantwortlich sein! Wegen anhaltendem Unwohlsein durfte Steuerchlebli Sandra weiterhin das Schiff führen und Bänz (der Sanitäter) brachte für Sabrinas verstimmten Magen eine leckere Banane aus der Kombüse. Die extrem stürmischen Verhältnisse mit Wellen so hoch wie Häuser, so die Wahrnehmung eines weiteren Crewmitgliedes (m), wurden von allen mit Spass und Coolness wahrgenommen. Leider stellte sich nach einiger Zeit heraus, dass auch die Sanitäter-Banane eine Reaktion in Sabrinas Magen auslöste. Die böse Banane wurde, wie zuvor der böse Keks, mit Können an der Reling den Fischen übergeben. Nachdem die Bösbanane in den Weiten des Atlantiks zum Dessert von einigem Schwimmgeziefer gefressen wurde, konnte Sabrina kurz darauf den Steuerchlebi (f) ablösen, und die sea magiX nach Angaben von Navigator Bänz (Beruf Nr. 7) sicher in die grosse Bucht von Culebras steuern. Der Anker fiel, das Dinghy auch, schon war der Motor montiert und die Crew ready im Schlauchboot für den ersten Landgang. Bänz der Dinghy-Fräser (Nr. 8) brachte uns sicher und leicht nass gespritzt an den Steg, an dem uns Bänz der WLAN-Fuchs (Nr. 9) nach Diebstahlsicherung unseres Wassertaxis zuerst auf das starke und freie Netz des nahe gelegenen Dinghy-Dock-Restaurants hinwies. Wie 4 Teenies liessen wir unsere Smartphones tschäddern und informierten uns kurz über die vergangenen Tage. Reiseleiter Bänz (10) zeigt uns das Dörfli und weiss viel davon. Die Hubbrücke aus dem letzten Weltkrieg, die keine mehr war, die örtliche Poststelle (United States Postal Service) die es hier noch gibt und doch ziemlich verlassen aussieht, den Landesteg der Fähre mit Bestuhlung für Wartende wie im Konzertsaal und dann endlich nach 10-minütigem flipflopschlendern landen wir im Nina’s Restaurant zum Nachtessen. Kaffee gab es hier keinen, dafür auf der sea magiX noch einen Rhum und ein Stück schwarze Nussschoggi. Da war doch noch etwas – genau – die böse Qualle! Abkühlung muss sein und nachdem das Dinghy gesichert war, wagte ich mich als Erster in die dunkle Nässe der Culebra-Bucht. Doch nach einem ganz kurzen Taucher bis zum Hals verliess ich es blitzartig wieder und warnte die Crew vor der Qualle, mit der ich und meine Hüfte soeben Bekanntschaft gemacht hatten. Abenteurer Bänz (11) kümmerte das nicht und köpfelte ins Dunkel, und auch Sandra schien unbeeindruckt und tauchte ihren Allerwertesten auf die Qualle. Sabrina und Bänz kamen ohne Annäherungsversuch des Tierchens wieder aus dem Wasser, während sich Sandra und ich mit etwas Aloe Vera-Gel den brennesselartigen Reiz gelindert haben. Rhum und Schoggi lenkten von den 3 Bösen des heutigen Tages ab. Lichterlöschen.

Tag 4 – Flamenco, Rochen und Dieselmotor – Montag, 2.3.26

Die grosse Bucht von Culebra verliessen wir unter Motor, da uns der Wind direkt auf die Nase blies. Die Ausfahrt aus dem Kanal haben wir sauber getroffen. Mit Sabrina am Steuer begannen wir die Tour zur Flamenco-Beach im Nordwesten der Insel. Den Canal de Culebrita bewältigten wir auf dem Hinweg unter Segel und bogen dann wieder mit Dieselantrieb zielstrebig und sehr vorsichtig in die flachwässrige Famenco-Beach ein. Leider liessen die hohen Wellen kein Einfahren bzw. Ankern zu. Zu wenig Wasser unter dem Kiel war die Prognose von Bänz und nach ein paar Schnappschüssen wendete unser Boot. Mein Herz schlug höher, denn als Autoflicker und Motorböötler finde ich es nicht so unangebracht, dass wir den ganzen Weg bis zu unserem nächsten Nachtplätzli in der Bahia Las Pelás mit 3 Zylindern und 800cm3 Diesel-Hubraum bewältigten. Bestimmt hatte das einen logischen Grund, den ich aber bei unserem Skipper nicht nachfragte und ich es einfach so akzeptierte und damit zufrieden war. Schnorcheln stand nun auf dem Programm. Bänz hielt Wache und der Rest der Crew stürzte mit Ausrüstung ins kühle Nass. Nach einer guten Stunde konnten wir mit einem gesichteten Rochen, diversen kleinen und ein paar ganz grossen Fischen, und auch mit einigen Tigermuscheln prahlen. Das Pot-au-Feu, gekocht von den Crew-Girls, war lecker, und nach dem Bettmümpfeli und der Besprechung für den kommenden Tag wiegte uns der Ostwind in den Schlaf.

Tag 5 – zögern, Entscheid, Vernunft – Dienstag, 3.3.26

Die Windprognose von Wetterprophet und Meteorologe Bänz (Titel Nr. 12) lies für mich nichts Gutes Erahnen, auch das Zögern und gehemmte Entscheiden (und auch offen lassen aller Möglichkeiten) wies für mein nautisches Fachwissen auf keine entspannte Überfahrt nach St. Thomas hin. Nachdem ich während des Frühstückes mit der Tagesplanung ein paar beunruhigende Worte und Sätze gehört hatte, stellte ich mein Gehör auf Göschenen-Airolo und korrigierte mein Hyperventilieren auf Ayurveda-Atmung bis tief in den Beckenboden. Nach Süden gestartet dauert es nicht sehr lange, bis wir den Kurs wechseln und die sea magiX bis zu den Klampen gekrängt im Wasser liegt. Eine Berg- und Talfahrt dieser Art würde im Europapark als Attraktion tausende zahlender Adrenalin-Junkies anziehen, doch wir bekommen das ohne Sicherheitsgurt und Zurrbügel kostenlos im Bänz-All-Inclusive-Angebot geliefert! Tiefenentspannt fahren wir also während gut einer Stunde durch Täler und Berge, die sich auch überschlagen und unser Boot netzen in Richtung St. Thomas, bis ich einen Richtungswechsel wahrnehme. Die Fahrt mit dem Wind wird ruhiger und ich vermute lediglich eine Pinkelpause. Doch wie ich danach frage, wurde ich über den Entscheid von Seebär Bänz (Nr. 13 – und jetzt auch noch die Auflösung wegen ä und e – das ä kommt eben vom Seebär, der sich auch nicht mit e schreibt. Selbstverständlich ist das meine eigene Darstellung, doch während dem Ringen nach Luft, auf der Berg- und Talfahrt, sind mir  Gedanken wie dieser durch den Kopf geschossen..) aufgeklärt, dass es ihm so keinen Spass mache und wir noch 5 Stunden dieses Europa-Park-Feelings vor uns hätten. Selbstverständlich bin ich heilfroh, und unser neues Ziel ist ein altes Ziel – die grosse Bucht von Culebra in der wir dann bereits mittags den Anker setzten und Anker-Bier und Salat genossen. Den Nachmittag verbrachten wir auf der sea magiX. Lesen, Sudoku, nichts tun, Mittagsschlöfli, Baden und Beautysalon. Nur Bänz liess es sich nicht nehmen (er ruht nie) und sauste mit dem Dinghy zur Piraten-Insel, die mitten in der Bucht liegt, um sie zu erforschen (Bänz wäre nun also auch noch Forscher und vermutlich auch Pirat, doch wir lassen es bei seinen 13 Titeln und Berufsbezeichnungen bleiben. Schliesslich endet dann unser Turn am Freitag 13. und so haben wir das in bester Erinnerung). Zurück auf dem Boot scheiterte der Versuch vom Eigner, den Lüftermotor für die Motorraumlüftung mit WD40 zu reparieren. Nach einem kurzen Anlaufen und kurzer Freude über die einfache Flickerei, verabschiedete sich der Motor definitiv in den Elektromotor-Himmel. Zwar verspricht dieses amerikanische Wundermittel (WD40), dass man damit alles reparieren könne, aber aus aktuellem Anlass (Mz.) wissen wir, dass die Versprechen (auch von führenden) Amerikanern (m) nicht immer so gemeint sind.  Das Abendessen ist auf 19.30h angesagt, Bänz und die weibliche Crew kümmern sich um die Zubereitung (soeben habe ich noch das berndeutsche Dialekt-Wort «chüschtig» kennengelernt, was so viel wie scharf bedeutet), während ich mich um diesen Blog kümmere. Habt ihr euch schon einmal Gedanken über das Wort Blog gemacht? Mich nimmt es ab und zu Wunder, ob so neudeutsche Wörter wie eben Blog auch in deutscher Sprache existieren. Im Google-Übersetzer bleibt Blog Blog und ich versuche mich nicht zu fragen, weshalb dieser Blog (als genau meiner) nicht einfach Reisebericht heissen könnte..?

Tag 6 – Flamenco, Regenschauer, Kampfpanzer – Mittwoch, 4.3.26

Das Frühstück war heute schwammig. Der Bezeichnung von Bänz für das Toastbrot, welches es hier zu kaufen gibt. Schwammbrot. Dafür gibt es keine Krümel, die auf dem Boden landen – alles hat seinen Vorteil und schmecken tut das Frühstück an der frischen Luft sowieso. Wir essen wie immer auf den Knien, da auf dem Aussentisch noch immer die Reisetasche von Sandra liegt. Wir geniessen die Einfachheit und möchten den Tisch gar nicht. Nach kurzer Recherche haben wir erfahren, dass um kurz vor 10 a.m. eine Fähre ankommt, die Touristen von Ceiba auf unsere Insel (immer noch Culebra) bringt. Wir planen heute einen Touri-Tag und zwängen uns in einen der Busse, welche die Meute vom Fährhafen zur Flamenco-Beach bringt. Am Montag konnten wir mit der sea magiX nicht in diese Bucht fahren, deshalb haben wir es heute auf dem Landweg getan. Bewaffnet mit Schnorchel, Flossen und Badehose suchten wir uns unseren Platz zuhinterst in der Bucht. Dort sind keine Wellen, dafür die (noch vorhandenen) Korallen und die Fische, die wir uns anschauen. Frische Kokosnuss gibt es, als wir zurück kommen von – ihr ahnt es – unserem Guide Bänz. Während Bänz sich die Taucherbrille schnappte, zogen Wolken auf. Wir freuten uns auf eine kurze Dusche um das Salz von der Haut zu waschen. Diese dauerte dann aber so lange, bis keine Faser unserer Ausrüstung mehr trocken war. Zwar nicht mehr salzig, dafür pudelnass. Am Tisch bei Kiosk Nr. 6 machten wir Inventar, konnten unsere Sachen trocken und bestellten 4 Burger mit Pommes. Zusammen mit 4 alkoholfreien Getränken machte das dann $93. Fastfood zum Gourmet-Tarif. Alles sehr lecker und amerikanisch XL. Als einer der Touristen-Hotspots an dieser Beach, liegen (oder stehen) 2 alte Kampfpanzer der US-Armee, die auf Culebra bis im Jahr 1975 einen Stützpunkt hatten. Bei ihrem Abzug liessen sie diverses zurück, und so leider auch diese 2 vor sich her rostenden Stahlbüchsen. Die vielen Pelikane, die direkt daneben wie Kampfdrohnen in der Lagune fischen,  scheint das nicht zu stören. Zurück mit dem Touri-Taxi kommen wir gerade noch rechtzeitig zur Happy-Hour in die Sandbar beim Ferry-Quai. 4 Corona zum Preis für 2 – da stimmt am Schluss das Tagesbudget wieder! Sabrina bringt uns mit dem Dinghy gekonnt zurück zu unserem schwimmenden Hotel. Die Damen machen sich sauber (als ob sie heute nicht schon nass genug worden wären), Philipp macht nichts, und Bänz bereitet die Crew-Info vor. Unsere Ferien finden bekanntlich im Freien statt, und zum Segeln braucht es Wind. Vernünftigen Wind. Und wenn es geht, dazu etwas Strömung, aber nicht zu viel und dann noch aus der richtigen Richtung. Und bitte keine zu hohe Wellen. Ein Bisschen hoch schon, aber nur so, dass es noch Spass macht und im richtigen Winkel zu unserem geplanten Kurs. Ich weiss mit Bestimmtheit, dass ich an der Crew-Info der Einzige war, der einfach versucht hat, schlau auf den Bildschirm von Bänz’s Laptop zu schauen. Von allen Angaben mit Pfeilen und Abkürzungen und so Zeugs, habe ich nur die Symbole mit der Sonne, der Wolke und der Regentropfen verstanden. Verstanden habe ich aber auch, dass wir morgen beim Frühstück entscheiden, ob wir am Freitag einen Turn nach St. Croix wagen, oder ob wir wetter-, vernunft- und spasslusttechnisch, direkt nach Vieques fahren. Die Auflösung folgt im nächsten Kapitel. Für morgen Donnerstag ist zum Abschuss des heutigen Tages kein Segeln vorgesehen, sondern ein Erkunden von Culebra zu Fuss oder was uns sonst noch einfallen könnte. Mobilitätsangebote gibt es zuhauf.

Tag 7 – Bergtour, Golfwägeli, Bänz’s Fähr-Abenteuer – Donnerstag, 5.4.26

Der Tag beginnt mit dem Frühstück und dem Entscheid, es am Freitag nach St. Croix zu wagen. Gekonnt überhörte ich das, damit ich mir das Geschaukel nicht schon den ganzen heutigen Tag vorstellen muss. Ich bringe Bänz ans Ufer, damit er mit der Fähre für U$ 2 (AHV-Tarif) nach Ceiba auf Puerto Rico und zurückfahren kann. Einen kurzen Moment überlegte ich heute Morgen, mit Bänz mitzufahren, doch zum Glück geht er doch alleine, aber darauf komme ich später noch einmal zurück. Die Gäste-Crew ist dann auch irgendwann parat, macht die sea magiX einbruchsicher und geht in Wandermontur ans Ufer. Auf dem Weg zum höchsten Hügel von Culebra kommen wir zu den Aleli Cottages, von wo aus wir einen wunderbaren Blick in fast alle Richtungen haben. Der Weg dahin führt auf der Betonstrasse mit einer Steigung von etwa 40%. Wir planen dem Rückweg, ein 4-Golfwägeli zu mieten, die hier zuhauf herum tuckern. Sandra ist die Einzige, mit physisch vorhandenem Führerausweis, und deshalb übernimmt sie auch das Steuer unseres Tuk-tuks. Eine Seefahrt die ist lustig, eine mit dem Tuk-tuk aber auch! Ich chille Rückwärts auf dem Sozius und Sabrina übernimmt die Navigation. Als uns der Hunger plagt, fahren wir in Richtung Flamenco Beach zu einem kleinen Beizli, unmittelbar am Ende der Flugzeug-Landebahn. Kochbanane mit Rindfleisch und Reibkäse, dazu Reis in zwei Variationen und frittierte Bananenstücke. Local Food vom Feinsten! Wir nehmen mit Bänz Kontakt auf, nachdem wir unsere 4 Räder abgegeben haben. Die Sandbar tut es uns auch heute wieder an und ja, es ist Happy-Hour… Bänz erzählt von der Fähre. Der Hinweg mit dem Wind – eine caminar oder zu Deutsch eine Spazierfahrt. Der Rückweg ist allerdings nur etwas für hartgesottene Nautiker oder für beachbesessene Touristen, die unbedingt zur Flamenco-Beach wollen. Die Ansage der Fährcrew hatte den Wortlaut: nur Wasser trinken ist erlaubt! Alles andere lässt sich auf dem Boden der Fähre schlecht wegputzen, wenn ihr es hergibt! Die Fähre fährt Schlangenlinien und doch schlägt es Wellen bis über das Schiff drüber – heilfroh bin ich, dass ich nicht mit Bänz mitgegangen bin. Die Crew-Besprechung für den Freitag ist kurz und bündig. Wir versuchen einen Schlag in Richtung St. Croix. Die Nacht ist windig und das Schiff schauklig, doch wir schliefen nach einem kleinen und feinen Znacht schnell ein.

Tag 8 – Sponti-Bänz und andere Überraschungen – Freitag, 6.3.26

Bänz hat einen Waschtag angesagt. Kurz nach 8 dinghyte er los und kam rechtzeitig vor der Meteo-Dusche im Waschsalon an. Das Bimü war parat, als er zurückkam, und danach flitzte er auch schon wieder weg für Tumbler und Frischwasser. Alles erledigt, auch Abfall entsorgt, saubere Wäsche versorgt und die Viertel-Dollar-Münzen wieder aufgefüllt. Ein frühes Mittagessen. Wir lichteten Anker und weckten mit dem Anlasser Yan Mar im Souterrain. Dieser gönnte sich 2 grosse Schluck Diesel und knotete uns mit dessen Energie aus der grossen Bucht von Culebra ins offene Meer. Segel hissen und mit voller Wucht gegen den Wind in 2 Meter hohe Wellen. Auch der Magen von Sabrina hat sich an raue See gewöhnt und ich selbst frage nicht viel. So auch nicht, weshalb wir den Kurs in eine andere Richtung anschlagen. Für mich sind Wind und Seegang noch immer stark (zu stark), ich mache mir keine Gedanken, wohin wir fahren, sondern eher, wann und wie wir dort ankommen. Im Kopf habe ich eine geplante Überfahrt nach St. Croix, die 8 Stunden dauern soll, und wir dort nach dem Eindunkeln ankommen. Noch bei Sonnenschein landen wir in der Brewers Bay auf St. Thomas. Sponti-Bänz hat mit Stüürchlebi Sandra den heutigen Schlag schlagartig von Ost auf Nordwest gedreht, und aus 8 Stunden wurden lediglich deren gut 5. Die Beach ist gut besucht und Besuch bekommen wir während des Ankerbiers auch. Wir müssen den Ankerplatz wechseln, bittet uns ein Sowiesoschontotkorallen-Retter von der hiesigen Universität. Er ist sehr freundlich und wir auch. Die Nacht fühlt sich an wie im Karussell – wie schon so oft – und ab 05.00h werden wir sanft mit Latino-Sound vom Strand und von Start-Getöse des Nahen Flugplatzes geweckt. Ein Ami-Sport-Event beginnt scheinbar im Morgengrauen.

Tag 9 – die kurzen sind nie länger – Samstag, 7.3.26

Greenhorn hat Grippe. Was soll’s. Das vergeht schon wieder. Bänz möchte so schnell als möglich aus der lärmigen Bucht und das tun wir nach einem kurzen Zmorge dann auch. Sabrina übernimmt gekonnt das Steuer und navigiert in den Wellentälern auf und ab. Wieder voll auf die Schnauze. Nach der ersten Wende übernimmt Sandra das Ruder und kreuzt die sea magiX hinter Water Island durch, zu einer kleinen Sightseeing-Tour in der Bucht von Charlotte Amalie. Ich stelle fest, dass sie trotz sehr wenigen Seemeilen in den letzten Jahren (ich bin schuld) noch ziemlich viel kann, und sich die Wenden mit Bänz und Sabrina auf engstem Raum gekonnt und ungefährlich anfühlen. Mit knappen 6 Knoten und voller Fahrt prätschen wir auf Frederiksberg Point zu um nur mit minimalem und doch vernünftigem Sicherheitsabstand vor der Hafenmauer einen U-Turn (ich weiss, dass man das nautisch nicht so ausdrückt) zu machen, und wieder hinaus ins Geschaukel zu fahren. Der Plan und das Ziel: St. John – nur ein Katzensprung entfernt. Die Frage von Bänz kurz vor dem U-Turn, ob wir das Städtchen anschauen möchte, habe ich zwar mit Espresso-Wunsch bejaht, wurde aber überstimmt. Trotzdem liegen wir knappe 2 Stunden später in derselben Bucht vor Anker, weil uns am Wind zu segeln schlicht keinen Spass macht, und aus dem Katzensprung voraussichtlich ein guter Halbtagestörn geworden wäre. Die kurzen Turns sind eben nie länger.. Dinghy einwassern, ein Salat zum Zmittag und schon sind sie weg, meine 3 erfahrenen Seeleute. Shopping und Sightseeing. Das Tagebuch oder eben der Reisebericht oder der Blog muss auch irgendwann getippt werden. Zudem gebe ich meiner Grippe unter Deck am Schatten eher eine Chance, gegen meine Abwehrzellen zu verlieren, und blieb tippend und teetrinkend an Bord. Eigentlich entspannend. Wenn da das gefasste Jöbli vom Skipper und Eigner, und die Böen (aktuell 22Kt) nicht wären… Beim Einsteigen ins Dinghy hat er mir die Fernbedienung der Ankerwinde kurz erklärt, und auf dem Plotter auf unser Schiff gezeigt. Einfach reagieren, wenn es ausserhalb des normalen Schwingradius komme. Einfach. Bis jetzt schon und ich hoffe, dass es so bleibt. Die Girls kommen zurück und somit meine Erlösung und die Unterstützung im Ernstfall, falls der Anker nicht halten sollte. Wir räumen die Einkäufe in die Schränke und planen das Ankerbier. Es soll frische Kokosnuss geben und schon wieder habe ich ein Jöbli gefasst. Die Nuss knacke ich dann gemeinsam mit Bänz, seiner Eisensäge und dem Gummihammer. Im Team entsteht weniger Schaden und die Nuss ist superlecker. Er brauchte für den Einbau des neuen Motorraumlüfters sowieso Werkzeug, und dann ging das ratzfatz. Alles läuft, der Staubsauger ist mit der Arbeit fertig und wir auch. Ankerbier, Teambesprechung, Nachtessen und für mich frühe Nachtruhe. Beim Einschlafen fiel mir ein, dass ich noch nie vom Bettmümpfeli-Ritual geschrieben habe, deshalb tue ich das jetzt. Jeden Abend – wirklich jeden Abend, gibt es ein Stück schwarze Nussschoggi von Frey (Migros Herisau) und dazu eine homöopathische Dosis Rhum aus der Region. Ein Skipper-Ritual, dem wir alle noch fast nie widerstehen konnten. Gute Nacht.

Tag 10 – 25 Knoten, Wind auf die Nase, Wellen bei 2m – Sonntag, 8.3.26

Die Crewbesprechung von gestern Abend endete mit der Vereinbarung, sich beim Frühstück endgültig zu einem Tag an Land zu entscheiden oder doch eine stürmische Überfahrt nach St. Croix zu wagen. Interessierte Leser:innen stellen unweigerlich fest, dass unser Skipper nicht lockerlässt, und er uns wirklich etwas bieten möchte. Der Tenor beim Birchermüesli ist dann auch, dass es ihn «aahgäggelet», dass er uns mit Fotos in seinen Mails vor der Reise so gluschtig auf unberührte Strände gemacht hat, welche wir vermutlich nicht ansegeln können. Denn auch für die nächsten Tage sind die Prognosen nicht besser. Wind bei 25 Knoten, der Wind direkt von vorne und eine Wellenhöhe, bei der es nicht einmal mehr Bänz Spass macht. Das Birchermüesli ist aufgegessen, der Plan ist klar. Bänz bleibt an Bord, Sandra, Sabrina und ich fahren in zwei Tranchen auf das gegenüberliegende Hassel Island. Viele Wracks, viel Abfall, zerfallene Fabrikgebäude und alte Maschinen. Vermutlich eine der ersten Dampfmaschinen der Industrialisierung stand dort (und teile davon liegen heute noch herum), mit der Schiffe für Reparaturen an Land gezogen wurden. Leider finden wir keinen wirklich tauglichen Wanderweg, auf dem wir zum höchsten Punkt der Insel gelangen könnten. Wir entscheiden uns für die andere Seite der Bucht und schlendern im Städtchen durch die Gassen. Pikfein, sauber und schön in Reihe 1 und 2. Ab der dritten Querstrasse dann das Übliche mit verlotterten und eigentlich einmal hochwertig gebauten Häusern. Strassennamen, Hotspot-Bezeichnungen und der Baustil von Häusern erinnern an die Zeit, als die Insel noch zu Dänemark gehörte. Irgendwann waren wir alle wieder zusammen, und gönnten uns das Ankerbier an der Happyhour-Bar im Green-House. Das Abendessen auf dem Schiff war superlecker und wie immer folgte danach die Crewinfo und das Skipper-Ritual. Ob wir dann am Montag nach St. Croix segeln können oder nicht, erfährt ihr im nächsten Kapitel.

Tag 11 – keine Überraschung, neues Crew-Mitglied, wilde Nacht – Montag, 9.3.26

Mit Kurs 250 und einer nur zu gut ¾ ausgerollten Genua, fahren wir in Richtung Vieques. Wettertechnisch wie erwartet und von Meteorologe Bänz prophezeit, keine Überraschungen. So wie in den letzten Tagen und auch für den Rest der Woche. Kurze Kurskorrektur auf 200 und dann kommt sie doch – die Überraschung! Ein neues, mir bis jetzt unbekanntes Crewmitglied stösst zu uns. Leonie, 14-jährig, unscheinbar und mässig attraktiv, bescheiden, und wie sich herausstellt, sehr fleissig und ruhig. Sie hat zwei ungleiche Arme, ist ans Heck geschraubt und mit Umlenkrollen und dünnen Leinen an das Steuer der sea magiX gefesselt. Leonie ist die Windsteueranlage, die heute zum ersten Mal auf unserer Reise zum Einsatz kommt. Ich staune. Ein paar gekonnte Handgriffe vom Skipper und schon steuert die Teenagerin durch das unruhige Wasser. Sie ist vom von hinten blasendem Wind und Wellen aus fast allen Richtungen unbeeindruckt. Leonie hält den neuen Kurs von 180. Mit dem Wind zu segeln ist zwar weniger nass und wild, aber für Magen und Wohlbefinden nicht besser. Bänz liest unter Deck in seinem digitalen Buch, bereitet Sandwiches und zu Kronen geschnittene Äpfel (nur für die Frauen – Charmeur) vor, und lässt sich auch von diesem (neuen) Schaukeln nicht aus bernerischen Ruhe bringen. Der Rest der Crew verweilt an Deck, hält Ausschau nach anderen Schiffen (4 haben wir gesichtet und eines davon war ein wunderschöner alt wirkender 3-Master, der, zur Freude sich an Bord befindende Touris, mit gehissten und flatternden Segeln, unter Motor reiste), und zum Schluss der gut 5-stündigen Fahrt auch nach gut getarnten Fischer-Bojen. Für die Zweier- oder Dreier-Bojen-Kombinationen gäbe es auffällige Farben wie rot oder gelb, die im türkisblauen Karibikwasser gut zu sehen wären, jedoch scheint es, als ob weiss, blau und schwarz eher die Lieblingsfarben der hiesigen Fischer:innen sei. Am Ziel in der Ensenada Honda auf Vieques angekommen, setzen wir den Anker im hinteren Teil in der Mitte der wunderschönen Mangroven-Bucht, und lassen alles auf uns wirken. Vieques war bis im Jahr 2003 US-Militär-Übungsgelände. Aufgrund zurückgelassener Munition und weitreichender Umweltverschmutzung durch Bombentests wurde die ehemalige Militärfläche unter Naturschutz und unter die Verwaltung des Fish an Wildlife Service gestellt. Auf der vorgelagerten kleinen Insel (Steinhaufen) Roca Alcatraz (ohne ehemaliges Gefängnis) muss gemäss Recherchen von Bänz ein Wrank der US-Marine liegen, das dort zu Übungszwecken abgeschossen und versenkt wurde. In Berichten ist von Radioaktivität die Rede. Da Bänz als ehemaliger Büezer vom AKW Mühleberg auch mit solchen (Strahlungs-)Problemen vertraut ist, kann unser Ankerplatz also nicht gefährlich sein. Apéro, Nachtessen (Reis mit Vielem aber ohne Zucchetti) und Bettmümpfeli. Die Nacht hat es mit Wind und Schauerregen in sich. Wir werden nicht ganz wie der Vodka-Martini von 007 geschüttelt UND gerührt. So muss sich ein T-Shirt in der Trommel beim Hauptwaschgang anfühlen.

Tag 12 – 1. Turn in 2 Tranchen – Dienstag, 10.3.26

Jeden Morgen dasselbe. Bänz ist schon frisch gewaschen auf Deck. Auch dann, wenn ich glaube, einmal der Erste zu sein. Ruhig sein unter Männern, wenn die Girls noch schlafen, fällt uns nicht schwer. Küken Sabrina (31) kommt dann als immer als Letzte aus der Schale (oder eben aus den Federn) gekrochen. Der langsame Start in den Tag beginnt. Heute cruisen wir in 2 Tranchen bis nach Esperanza. Mittagshalt in der Bahia Corcho mit Schnorcheln auf der Südwestseite von Cayo Chiva. Nachtanker hinter der vorgelagerten kleinen Insel Cayo Real in der Esperanza Beach. Das Dinghy ist schnell startklar, nur Sabrina bleibt für Beauty und Wellness an Bord. Was ist wo und wann tun wir morgen was. Schnell den Strand bis zum Camping hoch und runter flipflopen und zurück auf die sea magiX. Den perfekten Sonnenuntergang versaut uns einmal mehr eine dunkle Wolke. Trotzdem geniessen wir einen Rumpunsch à la Bänz und bereiten etwas später unser Abendessen vor. Heute gibt es Spaghetti Carbonara, obwohl uns Bänz am Mittag bereits mit Pasta-Salat verwöhnt hat, aber Pasta geht immer. Ich hatte heute etwas Zeit, mir über das Leben an Bord (dazu evtl. später im Blog noch mehr) und über ein Segelboot Gedanken zu machen. So z.B. zum Ruder oder eben zum Steuer. Für mich ist es nicht so eindeutig, ob dem grossen runden drehbaren Teil nun Ruder oder Steuer gesagt werden soll. Problem Nr. 1: So redet man als Befehl «Ruder nach Steuerbord» und dann ist es aber doch der «Steuermann» (oder eben die Frau), die das Ruder bedient? Schon sind wir beim zweiten Problem für einen Laien-Nautiker. Da wird immer von Backbord und Steuerbord geredet (nicht Ruderbord). Als Schwabenmeer-Motorböötler weiss ich schon lange, dass Steuerbord rechts und Backbord links ist (vermutlich konnte ich mir das merken, weil das Lenkrad meines Mobo’s rechts montiert ist), und von meiner Lieblings-Sandra wurde ich auch schon des Öfteren darauf hingewiesen, dass an Bord nicht von links und rechts geredet wird, sondern die richtigen Begriffe eben Back- und Steuerbord (auch nicht Lenkradbord) sind. Problem Nr. 3: was ist all diese Litanei wert, wenn sich nicht einmal unser Seebär Bänz daranhält? Er selber gibt Anweisungen für Richtungsänderungen mit «nach links» oder «nach rechts» (manchmal auch «höher» oder «tiefer», aber das ist dann immer während der Fahrt). Tut er das aus Nächstenliebe oder Mitgefühl zu den beiden Girls, die das Ruder/Steuer/Lenkrad führen, damit sie nicht überlegen müssen? Ich glaube nicht, denn die beiden sind Profis. Eher ist es so, dass Bänz sein Boot eben sehr aufgeschlossen und gendergerecht führt. Denn – und jetzt Achtung – ich glaube es ist eben nicht DIE sea magiX oder DER sea magiX, sondern es ist einfach nur sea magiX (wie bei Nemo Eurovision). Ich komme darauf, da das Steuer von sea magiX mittig im Heck und nicht links oder rechts montiert ist. Deshalb macht es auch keinen Sinn, von Steuerbord zu reden. Steuerbord und Backbord würden dann beide in gleicher Richtung – geradeaus fahren. Oder? Mit diesen Gedanken und dem Skipper-Bettmümpfeli verabschiede ich mich ins Bett.

Tag 13 – Landeier, Eier auf der Strasse, Schüttelroute – Mittwoch, 11.3.26

Gestern sauber geplant, verschieben wir frühzeitig an Land. Dort mieten wir in Windeseile einen 4-Plätzer-Kawasaki-Allrad-Golfcaddy und reservieren um 19.15h für ein Glasboden-Kajak in der Biolumineszenz-Bucht. Kaum bezahlt hocken wir auch schon im Hydrostat-Göppel und rasen mit 25mph auf dem Highway in Richtung Norden. Unser perfekt upgedatetes Navigationssystem Bänz 2.0 (auf dem Rücksitz) führt uns zielstrebig vom einen zum anderen Touristenhotspot Vieques auf diesem Teil der Insel. Heute der ganze Tag als Landeier geplant, da Wind, Wellen und Böen kein entspanntes Segeln prognostizieren. Auf unserer Fahrt quer über die Insel verkommen uns immer wieder Iguanas – freilaufende Echsen. Diese Reptilien werden bis zu 1,5m lang und sind ziemlich flink und rennen schnell, wenn sie nicht fotografiert werden wollen. Zwei von ihnen haben wir gesehen die eben ein bisschen zu wenig schnell waren und auf der Strasse klebten. Kein schöner Anblick und doch spannend. Beide haben kurz vor ihrem Ableben Eier gelegt (um es brutal auszudrücken, wurden die Eier vermutlich aus dem flachgefahrenen Körper gepresst). Auf dem Highway hatten die Eier vermutlich keine grosse Überlebenschance, aber interessant ist es allemal. In der Hauptstadt Vieques machten wir in der Bar «The Mar Azul» Mittagshalt. Ein absoluter Geheimtipp! Super Lokal sehr gutes Essen, gute Musik und tolle Aussicht. Wenn jemand von euch Leser:innen einmal dort sein sollte, empfehle ich den Lattich-Salat mit Cherrytomaten und crunchy Chips unten recht auf der Karte. Wahlweise mit Chicken oder Mahe-Mahe (ein Fisch, welchen ich gewählt hatte). Unsere Fahrt setzen wir fort zum westlichsten Zipfel der Insel, zur Playa Punta Arenas. Ein Traumstrand mit einem Schüttelroute Albtraum-Weg! Geschlagene 15 Minuten Schlag- und Wasserlöcher der Extraklasse (der Rückweg dauert übrigens noch einmal so lange). Der Strand mit Blick nach Puerto Rico ist aber wirklich ein Traum, und vielleicht hat Vieques plötzlich einen Trax mit Walze, mit dem die Strasse etwas ausgebessert und saniert werden könnte. Wir fuhren zurück nach Esperanza, machten einige Abstecher und gaben unseren Kawasaki richtig dreckig zurück. Bänz dinghyti kurz zu sea magiX (d) und stiess gut 30 Minuten später wieder zu uns in der Banana-Bar, wo wir einen kleinen Snack als Abendessen genossen. Die Fahrt um 19.00h zur Mosquito Bay ist eine gleiche Katastrophe, wie vorher schon beschrieben. Nur sitzen wir jetzt in einem kleinen Bus und wackeln schlaglöchernd hin und her. Schuhe ausziehen und barfuss mit Paddel und Rettungsweste bewaffnet dem roten Licht folgen. Unser Guide trägt dieses als Stirnlampe und weist uns nach knöcheltiefer Schlammgrube ein Glasboden-Kajak zu. Wunderschön ist es und einmalig. Das leuchten im Wasser beim Eintauchen des Ruders. Wirklich schön und fast ein Muss, das einmal gesehen und erlebt zu haben! Zum Glück waren wir um 19.00h in der ersten Gruppe, und so um 22.00h nach Erfrischungsbad und Bettmümpfeli zahnpoliert im Bett.

Tag 14 – 2. Turn in zwei Tranchen – Donnerstag, 12. März 2026

Das Bichermüesli hatte heute auch Grapefruits drin. Abwechslung muss sein. Wir plämperleten auch heute Morgen und liessen uns Zeit, bis wir den Anker lichteten. Gemütlich mit nur noch gut 13 Knoten Wind konnte Bänz die ganze Genua ausrollen und mit Sandra am Steuer segelten wir los. Das Mittagziel ist die Playa Punta Arenas von gestern. Diese Mal aber nicht holprig über Schlaglöcher, sondern sehr angenehm rollend und schaukelnd auf dem Seeweg. In der Bucht angekommen hielt ich Ankerwache statt zu Schnorcheln. Der Plotter verriet Bänz einen Diving- und Snorkeling-Hotspot, welchen es zu erkunden galt. Eine wahre Augenweide diese Bucht. Gestern konnten wir vom Land auf das Meer sehen, und heute vom Meer auf das Land. Beides wie im Ferienkatalog. Zum Zmittag Eisbergsalat mit Papaya und nach dem gemütlichen Mittagshalt verabschiedeten wir uns von Vieques und steuerten mit Kurs 245 in Richtung Puerto Rico. Auf dem Weg weckten wir eine schlafende (grosse) Schildkröte, und entschuldigten uns bei ihr für das Versehen. Sabrina steuerte gekonnt und zielstrebig nach den Anweisungen von Bänz. Manchmal etwas höher, danach etwas tiefer, dann den Kurs 10 mehr links, oder wieder 5 nach rechts. Als Sabrina das Williwälli (Appenzeller Ausdruck für: der nicht weiss, was er will) vom Skipper auf den Kicker (nautisch: Baumniederholer) gegangen ist, kündigt sie dem Ruder ihre Liebe und verpflichtet die spontan einspringende, und sich freiwillig meldende Sandra, bis zur Ensenada Honda auf Puerto Rico zu steuern. Selbstverständlich ist diese Darstellung masslos übertrieben, und schliesslich masse ich mir als Süsswasser-Motorböötler in keiner Weise an, den Führungs- und Kommandostyl unseres Skippers zu hinterfragen. Ankerbier und was das Leben an Bord sonst noch hergibt – wir geniessen neben dem Militärflugplatz die restlichen Stunden vor dem Eindunkeln, und haben wieder private Flugshows. Was der morgige Tag mit sich bringt, wurde bereits an Crewbesprechungen der Vortage thematisiert. Wir kochen einen feinen Eintopf und essen wie meistens an Deck. Den Tisch habe ich Bänz empfohlen, auf Tutti zu inserieren. Der wird nicht benötigt und wir haben uns während der vergangenen Tage nie einen solchen gewünscht. Vielleicht lassen sich aus dem Erlös einige Tafeln schwarze Schokolade mit Haselnuss von Frey, und die eine oder andere feine Flasche Rum kaufen. Mit dieser Überleitung sind wir beim Bettmümpfeli angekommen.

Tag 15 – Endspurt, Coiffeur, die Marina – Freitag, 13.2.26

Tatsächlich erlebten wir die ruhigste Nacht seit Beginn unserer Rundreise. Zwar hatten wir kurz vor dem Erwachen noch einen kleinen Schauer mit ein paar Wellen, aber diese steckten wir mit unserer Silverstar-Europapark-Routine problemlos weg und drehten uns auf unseren Liegen noch einmal um 180 Grad. Der Tag empfing uns mit einem Sonnenaufgang fast ohne Gewölk, vorerst strahlendem Sonnenschein bis dann ein kräftiger Schauer unseren Bimü-Zmorge um ein paar Minuten nach hinten zwang. Klar hätten wir unter Deck essen können, aber das taten wir zum Frühstück noch nie, und fingen deshalb auch heute nicht damit an. Die kurze Besprechung zum Ablauf des Tages führte zum Entschluss, dass wir bis kurz nach Mittag hier liegen bleiben werden. Wir nehmen ein letztes Bad im badewannenwarmen Wasser, geniessen die Ruhe mit einem Buch und laden Bänz’s Klappvelo ins Dinghy. Er möchte die Zeit nutzen, um nach Ceiba zu fahren, und sich dort bei der Autovermietung zu vergewissern, dass seine Reservation für morgen funktioniert. Zudem sucht er sich einen Coiffeur, der ihm seine Wolle vom Schädel nimmt. Das Angebot von Sandra und Sabrina, das auch für U$30 mit der Schere zu machen, lehnt er dankend ab. Etwas stolz ist er dann schon, und möchte für die nächste Crew mit einer Dauerwelle glänzen. Bänz nutzt die Zeit immer. Geplant ist auch das Spülen der Membrane des Wassermachers. Das steht spätestens heute Nachmittag auf dem Programm, wenn wir um ca. 14.00h in der Marina liegen und klar Deck machen. Segel hissen im Hafen und mit Wasser spülen. Genua und Grosssegel, sowie das Deck von oben vom Meersalz befreien, waschen und mit Süsswasser spülen. Zu viert geht das schnell und es bleibt am Nachmittag genug Zeit, sich in den schönen Duschräumen der Marina zu verweilen, und sich unkontrolliert mit viel Süsswasser Haut und Haare zu waschen. Ich muss unbedingt noch einige Fotos der verrückten Aussenbord-PS-Boliden schiessen. Zudem ist es sehr spannend mit anzuschauen, wie die an Land gelagerten Boote (3-lagig wie Hakle) mit einem Mords-Stapler hoch- und heruntergehievt, und direkt eingewassert werden. Die letzte Fahrt war der absolute Leckerbissen. Um die 14 Knoten Wind, etwas Wellen, aber nicht zu viel, Sonne pur und in der Ferne ein kleiner Regenschauer. Dieses Bedingungen hat Bänz für uns gebucht, doch die Bestellung kam bei Petrus etwas spät an. Jedenfalls hat es für uns auch so bestens gepasst und wir wissen jetzt auch, dass in der Karibik nicht ständig über 20 Knoten blasen. Unser letztes Nachtessen geniessen wir in der Marina und können auch dieses Restaurant wärmstens empfehlen.

Den Samstag, den Tag unserer Abreise, noch zu kommentieren, erscheint überflüssig. An dieser Stelle überlege ich mir ein paar Fragen, die mir während den Stunden im Heck von sea magiX durch den Kopf geschossen, und teilweise hängen geblieben sind. 1. Auf unserem schwimmenden Wohnmobil existiert für mich als Greenhorn ein Wirrwarr von Leinen, Seilen, Schnüren, Beschlägen, Umlenkrollen, und Haltern. Für was braucht es das alles? Dies im Detail zu beantworten, würde das Mass der Dinge sprengen, und deshalb nur ganz und einfach: JA! 2. Schrankweise vorhandenes Kleinmaterial und Inventar ist vorhanden – es fehlt an Nichts (ausser der kleinen Axt für das Öffnen einer Kokosnuss). Dieses Material hat sich während jahrelanger Segelroutine unseres Seebänz angesammelt. Braucht es das wirklich alles, oder könnte einmal ausgemistet werden? Ja! es wird alles gebraucht, und Nein! es kann nicht ausgemistet werden. Es ist ein Sammelsurium von allem Möglichen, was auf See irgendwann gebraucht wird, oder gebraucht werden könnte. Immer nur so viel als nötig, möglichst leicht und davon genügend. Das alles passt zu Bänz. So ist mindestens mein Empfinden und das gab mir während der letzten 15 Tage ein kleines Sicherheitsgefühl in meinem grossen Nichtskönnen an Bord. Zu Beginn des zweiten Tages hat uns Bänz mitgeteilt, dass er selber nie mit einem Eigner auf dessen Boot auf einen Turn mitgehen würde. Aus gutem Grund, den Eigner seien eigen. Frage 3: Ist Bänz eigen? Zum Glück ist Bänz das auch! Bänz überlässt nichts dem Zufall. Gar nichts. Bänz hat seine Routine, seine Handgriffe, seine Abläufe. Er schnürt die Leinen immer gleich, der Knoten (ich glaube es ist ein Palstek) immer an der gleichen Stelle in der Sicherheitsleine des Aussenborders. Bänz hat für 2 Wochen die Verantwortung (trotz Skipperentlastungsklausel) für die Crew übernommen. Das gibt ihm das absolute Recht, eigen zu sein. Bänz ist ein Abenteurer wie ich sonst keinen kenne. Er fürchtet sich nie und kennt kein “das geht nicht”. Er probiert und kann (alles). Uschi (seine Frau) hat uns vor unserem Start gebeten, auf Bänz aufzupassen. Wir wissen jetzt weshalb. Trotz seines Jahrganges, ist Bänz unhaltbar wissbegierig und abenteuerlustig(-mutig). Uschi weiss das. Wir haben aufgepasst, aber Bänz auch. Herzlichen Dank für die tollen Erlebnisse und die wunderschönen Tage! Die Crew – Küken Sabrina, Stüürchlebi Sandra, Greenhorn Philipp

P.S. Dieser Bericht und dessen Worte sind ab und zu übertrieben, aber Texte in Blogs leben von lebendigen und ausgeschmückten Sätzen und machen es für die Lesenden interessant und kurzweilig.