Bordgeschichten

An Bord von seamagiX ist alles in Ordnung. Das Schiff laeuft platt vor dem Wind gut dank besten Passatbedingungen. Auch das 2/3 Weg Fest wurde wieder mit einer feinen Flasche begangen. Und auch Baenz rechnet mit einer Ankunft an Weihnachten. Die Winde sind mit NE und ENE 4-6 fuer die Tage bis 22.12. immer auf eine rasche Fahrt prognostiziert. Doch lest selbst, was sich an Bord so abspielt und vergesst nicht auch wieder einmal einen Blick auf die Position zu machen (rechts oben: Wo sind wir?):

Mo., 16. 12., Tag 13: Es laeuft

Heute Nacht kam der von Paddy angekuendigte Wind in einigen Boeen tatsaechlich mit 35kn. Wir rauschten mit nur einem kleinen Flecken Genua die Wellen hinab. Die ruppigen Bewegungen nicht mehr so gewohnt, und vielleicht auch einfach schon besser ausgeschlafen als vor einigen Tagen, hatten wir beide Muehe, einzuschlafen in der Salonkoje. Auch, weil sie auf der falschen Seite, d.h. im Luv liegt, und wir staendig im Leesegel hingen und hofften, nicht hinausgekippt zu werden, wenn Sea magiX mal wieder so richtig in die Welle rollte. Gegen 22h kam der Mond endlich durch die dicke Bewoelkung durch und etwas spaeter gab es sogar ein richtiges Wolkenloch am Himmel, so dass mal wieder die Sterne zu sehen waren und der Mond, obwohl er inzwischen abnehmend ist, wieder seine ganze Kraft entwickeln konnte, mit Schattenwurf und Silberteppich am Wasser. Habe ich hier schon erwaehnt, dass ich mich wundere, dass bei diesen Bedingungen die Solarpanels nicht anfangen, zu wirken?

Mit den Boeen und den dazu gehoerenden Wellen geht unsere Windsteueranlage Leonie perfekt um. Ich glaube, Sea magiX hat inzwischen auch Spass daran, die Wellen so richtig hinunter zu surfen. In einer meiner Wachen beobachtete ich, wie bei einer dieser Gelegenheiten die Geschwindigkeit auf 11.8kn stieg. Und als wir heute Morgen im Geraet den hoechsten Speed abfragten, sagte das sogar 11.9kn. Nicht immer ganz so zuegig, aber doch mit einer guten Durchschnittsgeschwindigkeit laeuft es nun also weiter nach Westen. Uebrigens herrscht hier gemaess Plotter schon die ganze Zeit ein starker Strom, der nicht wie auf der Karte vermerkt, rein nach Westen setzt, sondern nach Sueden. Manchmal zeigt der Plotter 1.8kn nach 180 Grad an! Und da Leonie so schoen platt vor dem Wind steuert, wie wir uns das wuenschen, bleibt unser Kurs immer etwas suedlicher als West. Irgendwann muessen wir zwar schon noch weiter nach Sueden steuern, aber momentan bietet sich dies nicht wirklich an, auch nicht vom Wetterbericht her, den Paddy uns schickte.

Im Verlauf der Nacht liess die Haeufigkeit der starken Boeen nach und heute Morgen hatten wir endlich wieder die perfekten Bedingungen, die wir uns vorgestellt hatten: Wind ENE 5-6 (ok, koennte auch einfach 5 sein, aber kein Problem), blauer Himmel mit Cumuli, endloses blaues Wasser mit weissen Schaumkronen und Sonne pur. Erstmals verbrachte ich auch den groessten Teil des Morgens draussen mit T-Shirt, Shorts und der leichten Rettungsweste, waehrend der Skipper schon beginnt, den Schatten zu suchen.

Das Wetter animierte mich zu einer kleinen Waesche in unserem praktischen «Scrubba»-Waeschesack. Den fuellt man mit nur wenig Wasser (wir brauchten insgesamt, mit Spuelen, ca. 2.5l) und kann ihm die Luft mit einem Ventil auslassen und dann die Waesche auf seiner genoppten Innenflaeche rubbeln. Das Spuelen braucht fast am meisten Wasser bis das Waschmittel grossteils weg ist. Nun flattert die Waesche draussen unterm Bimini, aber ist wohl gleich trocken. Auch wenn inzwischen die Wolken wieder da sind und unser perfekter Morgen wohl schon wieder vorbei ist.

Unserem Plotter zufolge sind es jetzt weniger als 1100 SM, d.h. morgen werden wir aller Voraussicht nach die 1000-SM-Grenze unterschreiten und einen neuen Anlass fuer ein kleines Flaeschchen Cava haben. Barbados bzw. die Karibik kommt schnell naeher!

Di., 17.12., Tag 14; Alltagsprobleme

Baenz: eigentlich eine naheliegende und effiziente Loesung fuer ein lange andauerndes Alltagsproblem an Bord koennte von mir sein, ist aber Uschis Vorschlag. Das Problem heisst WC Deckel. Sobald er offen ist, weil das WC benutzt werden muss, klappt er auch schon wieder mit einem Knall zu, sobald das Boot etwas nach Backbord kraengt. Das ist aergerlich. Man muss sich das so vorstellen: du betrittst den engen WC Raum und verkeilst dich bei dem Gerolle und Geschaukle vor dem Wind irgendwie waehrend die Hosen (mehrere Lagen mit Oelzeug moeglich) in die Kniekehle geschoben werden. Du oeffnest den Klodeckel damit Du absitzen kannst ? rumms, Deckel ist wieder zu bevor Du Dich umgedreht hast, nochmals auf, schnell umdrehen und absitzen -rumms, Du setzt Dich auf den geschlossenen Deckel! Da Du schon mal sitzt, kannst Du auch gleich die Ventile oeffnen, das geht im Sitzen am Besten. Jetzt waere alles bereit, aber Du sitzt noch auf dem geschlossenen Deckel. Also schnell etwas aufstehen, Deckel anheben und noch schneller wieder absitzen. Geschafft, jetzt waere alles gemuetlich, wenn nicht der Deckel auf dem Ruecken aufliegen oder mit jeder Welle zuerst an die Bordwand und dann an Deinen Ruecken knallen wuerde.

Nach dem Geschaeft wird es spannend, denn irgendwie muss man ja aufstehen, sich festhalten und gleichzeitig mit Papier hantieren. Du ahnst es, Papier bereit zum Entsorgen in der Toilette, aber vor her: rumms. Das heisst, Du musst irgendetwas loslassen, um eine Hand frei zu bekommen, um den Deckel wieder anzuheben. Nur ja nicht das Falsche zum falschen Zeitpunkt loslassen! Schwierig und aufwaendig mit diesem Deckel, das war aber nicht immer so. Zu Beginn der Saison haben die Scharniere des Deckels ziemlich geklemmt, so dass dieser nicht bei jedem kleinen Schwingen nach BB sich selbst runtergeklappt hat. Dabei haben die Scharniere aber entsetzlich gequietscht und geknarzt und jeden im Boot bei einem naechtlichen Besuch der Toilette geweckt. 2 Spruehstoesse mit WD40 und das Geraeusch war weg ? leider auch die bremsende Wirkung des Scharniers fuer den Deckel. Seither haben wir ein Alltagsproblem und eine Pendenz mit dem Deckel.

Loesungsvorschlaege mit Klettband, Gummizug, massiver Riegel, etc. wurden allesamt aus guten Gruenden verworfen. Nun kommt Uschi mit dem Vorschlag: schraub den Deckel doch einfach ab. Logo, braucht es ja gar nicht. Ich hab das Werkzeug schon in der Hand und schau ins Klo, wie ich das am Besten mache, da kommt mir ein uebler Gedanke. Beim Oeffnen des WC Schranks hinter der Toilette kullert oefter der Inhalt des halben Schranks heraus, wenn das Boot ueberraschend nach BB schwingt. Ohne Klodeckel landet dann also Zahnbuerste, Sonnencreme, Kamm und Rasierer direkt in der Toilette – auch nicht so cool?.

Im Ersatzteillager hat es neben viel anderem auch 2 Ersatz-Scharniere fuer WC Brille und Deckel. Die fuehlen sich an, als haetten sie ziemlich Widerstand beim betaetigen, jedoch ohne das haessliche Knarzen von sich zu geben. Werkzeug ist ja schon bereit. Eine halbe Stunde kopfueber im Toilettenraum und ueber/unter der Toilette und es ist geschafft. Der Deckel klappt nicht mehr so leicht runter. Ich bin auch geschafft: wir haben mittlerweile 29Grad im Boot und es ist doch sehr bewegt, wie wir da bei Bft 5-6 vor dem Wind die Wellen runter rauschen.

So loesen sich auf der Ueberfahrt nach und nach Pendenzen auf (Genuabaum, Lichtschalter Kueche, Klodeckel etc). Wir sind bestens versorgt und haetten Lebensmittel, Wasser und Pendenzen fuer noch viel weiter als die noch verbleibenden 950SM. Das wird uebrigens heute wieder mit Brause an der <1000SM Bordparty gefeiert. Zuerst wird aber noch das Obst und Gemuese sortiert und direkt gegessen, was langsam wegmuss. Das regt die Verdauung an, so dass ich rasch auf die Toilette muss. Hosen runter und – rummms!?!

Uebrigens: noch ein Nachtrag zum Blog ueber das Kuerzen unseres Genua-Baums: die beiden letzten Nieten, die dort erwaehnt wurden, waren natuerlich vom Typ Edelstahl, nicht vom Typ Crew Sea magiX!

Zeitzone Bordzeit ab heute: UT-3 (4h spaeter zu CH). Schoen und warm im Passat-Segeln. Wassertemperatur ist 26Grad.