Scapa Flow Museum, Landspaziergang und Stromness

Ein neuer Versuch an der Lyness Pier ist diesmal erfolgreich. Die Pier ist offensichtlich in den 10 Jahren seit unserem letzten Besuch

sorgfältig erneuert worden und anscheinend auch dahinter ein wenig ausgebaggert. 

 

Wir finden jedenfalls vor einem Fischer ganz innen in der Ecke ein Plätzchen, das gemäss

unseren Hafenhandbüchern gar nicht tief genug für uns sein dürfte. Dort können wir getrost festmachen – mit langen Leinen, denn das Wasser sinkt.

Der Besuch im Scapa Flow Museum erweist sich als Schlag ins Wasser; es ist „closed for renovations – to be reopened in 2020“. Auch sonst wirkt die Gegend, trotz erneuerter Pier, sehr verlassen und verloren. Vielleicht liegts am heute grauen Wetter, aber die zerfallenden Scheunen, verlassenen Betriebe, wegrostenden Autos und überwucherten Hecken sprechen eine traurige Sprache vom „economic downturn“, der schon öfters erwähnt worden war.

Scapa Flow spielte in der Geschichte der englischen Navy im 2. Weltkrieg eine sehr wichtige Rolle als Basis der Flotte und erlangte noch auch grosse Berühmtheit, als wenige Wochen nach Kriegsbeginn der deutsche U-Boot-Kapitän Prien sich mit seinem U-47 in die gut bewachte grosse Bucht hinein schlich, sich etwa 24Std lang unentdeckt darin aufhielt, und dann das Flaggschiff der Royal Navy, die Royal Oak versenkte. Mehr als 830 Besatzungsmitglieder starben dabei. Als Reaktion darauf wurden die „Churchill’s Barriers“ gebaut – sie schlossen die Eingänge in die Bucht nach Osten und verbanden die Inseln South Ronaldsay, Burray, Lamb Holm und Mainland miteinander. Mir scheint diese Geschichte immer ein wenig wie „closing the barn door when the horse has run“, aber andererseits wird einem in dieser Gegend vor Ort schon sehr bewusst, wie viel seemännisches Geschick für die Tat von Kapitän Prien nötig war (der dafür übrigens auch heute noch von den Orcadians bewundert wird), und wie wenig man deshalb wohl auch zu jener Zeit damit gerechnet haben muss, dass jemandem so etwas gelingen könnte.

Während die Herren sich die „Temporary Exhibition“ im Royal Oak Hotel zu Gemüte führen, wandere ich zum „Wee Fae“ hoch. Hier waren im Krieg 6 Oeltanks in den Hang eingelassen. Davon ist heute nicht mehr viel zu sehen, aber dafür ein schöner Ausblick über die Bucht und die Inseln. Leider ist das Wetter heute grau und trüb, und so wirkt auch die schöne Aussicht nur halb so intensiv wie sonst.

Doch doch, es wurden dann noch mehr

 

 

 

 

 

 

 

Von Lyness geht’s dann mit einem kurzen Abstecher hinaus in den Pentland Firth, um dort ein wenig Strom-Fahrt mit 9.7kn ü.G. zu verbuchen, weiter nach Stromness.

Kaum sind wir dort, fängt das Grau an, sich zu lichten, und als wir bald darauf auf Erkundungsspaziergang durch das schön renovierte Städtchen unterwegs sind, kommt schönste Abendstimmung auf.

 

Stromness profitiert offensichtlich vom Tourismus und macht auch etwas dafür. Vor vielen Häuschen sind schöne Blumentopf-Arrangements. Alles ist aufgeräumt, geputzt und renoviert. Ein grosser Kontrast zu Lyness, aber auch zu unserer Erinnerung von früher. Nur Restaurants und Pubs scheinen eher spärlich gesät zu sein. Aus Nostalgie steuern wir aber am Rückweg direkt das Stromness Hotel mit der Lounge im ersten Stock und den typisch englischen Teppichen an. Die Karte brauchen wir gar nicht – es wollen alle drei Fish n Chips, und alle haben einen Pint Orkney Ale vor sich. Das Restaurant ist voll – einerseits wohl, weil es kaum ein anderes in Stromness zu geben scheint, und andererseits weil wir gemeinsam mit den Hotelgästen speisen. Solche gibt’s hier auch – es scheinen vor allem Velo- und Wander-Touristen zu sein. Wir passen da mit unseren etwas versalzenen Kleidern gar nicht schlecht dazu.

 

Zurück im Hafen wird die Waschmaschine mit Tumbler genutzt und gleichzeitig das Internet, um Wetterberichte herunter zu laden und Rechnungen zu bezahlen. Nur für die Webseite reicht’s nicht mehr, bevor uns die Augen zu fallen.