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Insel-Hopping Spanish- und US Virgin Islands

Gastbeitrag von Alexandra

«Pass auf, es ist rutschig!» ruft mir der Mann am Kaffeestand am Bahnhof Bern zu als Anouk und ich uns für die Fahrt an den Flughafen am frühen Morgen treffen. Tatsächlich ist es noch gefroren und hat geschneit am Vorabend – und das Ende März! So sind wir beide mehr als froh in die Wärme fliehen zu können. San Juan begrüsst uns mit Schauern. Es habe den ganzen Tag geregnet, eine Seltenheit in dieser Jahreszeit. Kein Problem, so können wir uns langsam an das Klima gewöhnen und die warme Dusche ist auf jeden Fall angenehmer als der kalte Niederschlag zuhause.
Bänz hat ein Mietauto organisiert und holt uns am Flughafen ab. Das Auto sei ein «Riesenviech», schreibt er, damit wir ihn an der Uber-Abholstelle finden. Aber bei all den Ami-Gefährten, oft überdimensionierte Pick-Ups mit getönten Scheiben, müssen wir gut Ausschau halten um den grauen Jeep zu entdecken. Bänz chauffiert uns zu sea magiX, die in der Nähe von Ceiba liegt, zuerst mit dem Riesenviech, dann mit dem Dinghy. Auch die Einkäufe hat er bereits erledigt und so sind wir, kaum angekommen, schon startbereit. Ein grosser Luxus mit diesem Rundherum-Service unseres Skippers und Reiseleiters!

Angekommen nach langer Reise

Am nächsten Mittag geht es bereits los. Wir wollen nach Culebra, mit den vorhergesagten Winden ist nicht sicher ob wir wirklich segelnd dahin kommen. Bänz hat aber bereits einen Plan B parat bzw. entscheidet spontan wie es weitergeht. Diese flexiblen Planungen sind ein grosses Glück für uns. So ist unser Programm immer den aktuellen Verhältnissen entsprechend und wir müssen uns nicht an einen fixen Törnablauf halten. Wir kreuzen also Richtung Culebra. Zuerst geht es flott vorwärts, dann aber dreht der Wind immer wieder und schläft zwischendurch ein. Bänz wiegt ab ob es doch Plan B wird und wir nach Vieques segeln und überlegt auch laut, wieviel seiner erwarteten restlichen Lebenszeit er potentiell investiert um hier auf Wind zu warten 😊. Und da setzt der Wind auch schon ein und wir erreichen die Bucht Ensenada Honda auf Culebra exakt zum Sonnenuntergang.

Wir verbringen einen Land-Tag auf Culebra. Anouk und ich fahren mit dem Taxi zur Playa Flamenco – «einem der der schönsten Strände der Welt» – und laufen von dort aus auf Vorschlag des Taxifahrers weiter zum Schnorcheln an die Playa Rosario.
Zum Zmittag verabreden wir uns dann wieder zu dritt in einem Food Truck nahe der spektakulären Flugpiste und probieren verschiedene frittierte lokale Spezialitäten, die uns eine andere Kundin geduldig empfiehlt. Für die Nacht segeln wir ein paar Meilen weiter in die malerische Bucht Almodovar hinter einem Riff und zwei Inselchen.

Die gemeldeten NE-Winde sind günstig um am Tag darauf bereits in die US Virgin Islands zu starten. Geplant sind wiederum zwei Optionen: ein kürzerer Schlag zur Insel St. Thomas oder die längere Variante direkt nach St. Croix, der Insel die abseits von den anderen weiter südlich liegt. Auch diesmal geht Plan A auf und wir nehmen St. Croix in Angriff: 50 Seemeilen Am-Wind-Fahrt mit Wellen, das heisst also mit der einen oder anderen Salz-Dusche. Unterwegs fasst uns der Skipper einen vor kurzem gehörten Vortrag über Seekrankheit zusammen. Es handle sich dabei nicht um eine Krankheit, sondern um eine Reaktion des Nervensystems, die bis hin zu einem «Shutdown» führen kann. Das Nervensystem muss deshalb trainiert werden, um die  ungewohnte Situation nicht als Bedrohung wahrzunehmen. Anouk lässt trotzdem nichts anbrennen und wirft sich im Akkord hochdosiertes Vitamin C ein. Am Abend kann sie die Tabletten nicht mehr sehen, sagt sie (aber ich denke der Vorrat ist auch längst aufgebraucht).
Als erstes steuern wir Buck Island an, eine kleine Insel vor der Nordküste von St. Croix. Ich komme aus dem Staunen nicht mehr heraus und auch Anouk, die vor ein paar Jahren schon mal da war, freut sich erneut über den Anblick: Ein grüner Hügel, davor ein weisser Strand, keine Häuser und nur wenige Ausflugsschiffe, die in der Lagune Halt machen. Buck Island ist ein geschütztes Gebiet und eine wichtige Brutstätte für verschiedene Schildkrötenarten. Anouk am Ruder wird bei der Einfahrt in die Lagune langsam nervös wegen den sinkenden Wassertiefen und den noch immer gesetzten Segeln. Bänz scheint jedoch viele (aus unserer Sicht fast alle!) Karibik-Buchten wie seine Hosentasche zu kennen und lotst uns auch hier entspannt zum Ankerplatz: «Fahr nume no chli witer». Anouk und ich erkunden mit Schnorchel den Lagunenabschnitt an unserem Ankerplatz. Es gibt nicht viel zu sehen und wir gehen deshalb an Land und schauen uns da um und versuchen, Schnappschüsse der Pelikane zu machen. Das Schnorchel-Highlight des Tages ist der Barracuda, der unter sea magiX auf Beute wartet.
Gegen Abend verlassen die Ausflugsboote die Insel und wir sind allein in der Lagune. Zur Feier des Tages macht uns der Skipper einen «rumhaltigen» und mit Früchten dekorierten Drink. Ein würdiger Apero an diesem schönen Fleckchen Erde. Natürlich senden wir auch ein paar Bilder nach Hause. Evtl. etwas unfair für die Armen die dort Kälte und Schnee ertragen müssen?

Nach «Ausschlafen» (evtl. bei den einen noch etwas Jetlag, aber wenn nach 06.00 das Tageslicht kommt, schleichen jeweils alle mehr oder weniger schnell aus ihrer Koje) und Zmorge geht’s mit dem Dinghi zur Ostseite der Insel zum ausgeschilderten Schnorchel-Trail. Wir kommen gerade noch rechtzeitig und begegnen nur wenigen Ausflugsgruppen, die wild schwadernd und mit Schwimmwesten und Action-Kameras bewaffnet ihrem Guide folgen. Der Trail führt durch ein paar «Grotten» am Riff und es gibt einiges zu sehen: farbige Fische, zum Teil in Schwärmen, einen Hai und Adlerrochen. Auf dem Weg zurück springen wir nochmal ins Wasser und können auch noch einer Schildkröte zusehen. Am Nachmittag machen wir uns auf Richtung St. Croix Yacht Club. Diese Strecke erfordert genaue Navigation, um den Weg mit genügend Wassertiefe zwischen Riff und Küste von St. Croix zu finden.

Am nächsten Morgen gönnen wir uns die angebotene Dusche im Yacht Club und der General Manager führt uns durch sein Reich. Für einen allfälligen nächsten Besuch stellt er Bänz einen Code für das Tor zu, damit der Ein- und Ausgang landseitig bei einem nächsten Besuch jederzeit passiert werden kann. Danach fahren wir weiter Richtung Christiansted, der Inselhauptstadt. Interessant: die einst «westindischen Inseln» haben die USA 1917 Dänemark abgekauft, unter der Bedingung, auf Grönland zu verzichten und dieses den Dänen zu überlassen. Die Crew erkundet am Nachmittag das Städtchen, das tatsächlich noch ein nordisches Flair ausstrahlt. Ein geschichtsträchtiger Ort, der aber auch nachdenklich stimmt: Christiansted war bis ins 19. Jahrhundert einer der grössten Sklavenmärkte. Zum Sundowner und Znacht kommt auch der Skipper wieder dazu. Wir staunen, wie früh hier Feierabend ist: nach 17.00 ist die Schlange bei einem beliebten Restaurant lang. Um 18.30 können wir einfach reinspazieren und beim Verlassen des Restaurants um 20.00 sind wir fast die letzten.

Ein weiterer Insel-Tag steht auf dem Programm: Anouk und ich wollen, angeleitet von Bänz,  mit einen Bus oder ein Sammeltaxi das Städtchen Frederiksted erkunden. Der ÖV-Fahrplan funktioniert hier anders als in der Schweiz (d.h. es gibt eigentlich keinen). So gesellen wir uns vor dem Post Office zu den anderen Wartenden, die sich sofort um uns kümmern damit wir dann wirklich den richtigen Bus erwischen und direkt zu unserem Ziel kommen. Die «Crucians», wie die Einwohner der Insel genannt werden, sind sehr zuvorkommend und interessiert an den Besuchern aus der fernen Schweiz. Nach nur 40 Minuten Wartezeit kommt auch schon ein Sammeltaxi um die Ecke und nimmt uns mit. Regel hier: wenn der Bus nicht kommt, wird halt das Taxi genommen. Das kostet dann 3 anstatt 2 Dollar 😊. Nach wenigen Zwischenstopps zum Ein- und Ausladen von Passagieren und Einkäufen erreichen wir schon bald Frederiksted. Dort klappern wir die wenigen Shops ab, schauen uns das Kunstmuseum mit schönem Innenhof an, gönnen uns ein feines karibisches Zmittag und schnorcheln entlang der Kreuzfahrt-Pier in klarem Wasser. Für den Heimweg erwischen wir ohne Wartezeit ein Sammeltaxi. Der Chauffeur hält sogar noch vor dem Supermarkt an und lässt uns die Einkäufe erledigen.

Nächstes Ziel unserer Reise sind die nördlicheren US VI Inseln. Bänz hat schon angekündigt, dass wir, um unser Wunschziel St. John zu erreichen, am nächsten Tag ca. 35 Meilen gegenan segeln müssten (also wieder eine Spritzfahrt mit den aktuellen Wind- und Wellenprognosen). Nicht unbedingt der Wunschkurs eines Blauwasser-Seebären, der endlos Zeit und Geduld hat und gern auf eine angenehmere Fahrt wartet. Er schlägt deshalb drei Optionen vor, lässt aber auch durchblicken welche zwei nicht wirklich favorisiert sind. So ist der Entscheid schnell gefallen: wir fahren nochmal rüber nach Buck Island und segeln erst einen Tag später, bei angenehmerer Windrichtung, nach St. John. Diesmal machen wir auf Buck Island noch eine kleine Wanderung auf den Hügel und geniessen die Rundumsicht.

Schon ist eine Woche – und damit die Hälfte unserer gemeinsamen Reise vorbei. Die Zeit vergeht einfach viel zu schnell hier! Ein weiteres Highlight dieser Woche: zu besonderen Anlässen und vor allem auch, wenn es noch zu früh ist für «rumhaltige Drinks» hat der Skipper eine andere Spezialität auf Lager: einen Espresso. Diesen zaubert er aus seiner Handpresso-Maschine.