Gastbeitrag von Alexandra
Nach einer gemeinsamen Woche auf sea magiX sind wir mittlerweile ein eingespieltes Team und nach dem Frühstück ist deshalb schnell aufgeräumt und alles segelbereit. Wir verlassen Buck Island und segeln nach Norden Richtung St. John, unserem ersten Ziel der zweiten Woche. Nach einer welligen und schnellen Fahrt erreichen wir die Hansen Bay im Südosten der Insel und haben wieder einen Ankerplatz für uns allein. Anouk und ich entscheiden uns für eine Feierabend-Fahrt mit dem Dinghi nach Coral Bay, dem «Städtchen» in der Bucht. Mit ca. 2 Seemeilen eine recht lange Fahrt mit ziemlich vielen Wellen. Wenn das nur gut kommt bei der Rückfahrt gegen die Wellen… Die Atmosphäre in Coral Bay ist speziell. In der Bucht liegen viele Segelboote an Bojen und die meisten scheinen feste (und wenig bewegte) Wohnsitze von Aussteigern zu sein. Wir kaufen im «Love City Market» ein und kehren in der «Skinny Legs» Bar ein. Bei einem Wellblech-Unterstand verkauft ein Künstler selbst gemalte Bilder und 2 ältere Autos, von denen fast nur noch die Carrosserie übrig ist. Mir fällt ein, dass Anouk ein Auto-Nummernschild der US VI als Geschenk mit nach Hause bringen möchte? Der Mann verkauft ihr tatsächlich ein Schild für 5 Dollar, inkl. Reinigung und legt Anouk dann noch nahe, das Schild doch bitte nicht mehr zu nutzen :-).
Die Rückfahrt gegen die Wellen wird nass – neben den Spritzern von vorne kommen die Tropfen auch wieder einmal von oben. Wir sind froh, dass wir kurz vor dem Eindunkeln wieder auf sea magiX zurück sind.
Am Ostersonntag geniessen wir ein wunderbares Zmorge. Bänz hat am Vorabend einen Teig vorbereitet und frühmorgens riecht es herrlich nach frischem Brot. Dazu gibt es gefärbte Eier und Schoggi- und Mandelhäsli.
Mit der Genua segeln wir raus aus der Bucht und um die Ost- und Nordküste von St. John. Wir sind jetzt sehr nahe an den British Virgin Islands und sehen die mit Yachten gefüllten Buchten, in den BVIs boomt der Yachttourismus. Ein Glück für uns, dass es auf unserer Seite viel ruhiger ist. Etwa zwei Drittel der Fläche von St. John ist National Park und das Ankern in den Buchten ist verboten. Wir übernachten deshalb an einer kostenpflichtigen Boje der Parkverwaltung in der schönen Leinster Bay. Den nächsten Tag starten wir mit einer kurzen Wanderung der Bucht entlang und dann hoch zu den Ruinen der Annaberg Zuckerrohrmühle und -Fabrik, die im 18. Jahrhundert aufgebaut wurde. Zeitweise arbeiteten hier über 600 Sklaven unter brutalsten Bedingungen.
Auf dem Rückweg sehen wir viele Schildkröten, die zum Atmen kurz an der Wasseroberfläche auftauchen. Das muss schnorchelnd erkundet werden. Tatsächlich ist die Bucht voller Schildkröten, die am Meeresboden grasen und alle paar Minuten für Sauerstoffnachschub auftauchen. Sie kennen hier keine Scheu vor Zweibeinigen und tauchen zum Greifen nahe auf. Eine sogar so nahe an Anouk, dass die beiden nur knapp einer Kollision entkommen.
Unser Kurs führt weiter westwärts, wir segeln Richtung St. Thomas und ankern in der Bucht Christmas Cove auf einer vorgelagerten Insel – innerhalb eines halben Tages von Ostern direkt zu Weihnachten! In der Bucht ist viel Betrieb: es gibt ein Pizzaboot, Musik, viele Tagesgäste mit ihren Motorbooten und leider auch ein paar Yachten, die wohl schon länger nicht mehr bewegt wurden und bereits zu kleineren Korallenriffen mutiert sind. Der Skipper schaut den ankommenden Yachten genau zu: nicht alle scheinen beim Ankern den Abstand zu den Nachbarn sowie die nötige Länge an Ankerkette richtig einzuschätzen. Gegen Abend wird es ruhiger, Ausflugsboote und Tagesgäste ziehen ab – und ein paar heftige Schauer ziehen auf. Duschwasser aus dem Vorrat braucht es keines – die Süsswasserdusche kommt in grossen Mengen aus den Wolken.
Die Tage unserer Reise sind schon fast gezählt und Bänz überlegt, wie wir die übrigbleibende Zeit und den beständigen Wind aus Südost gut nutzen. Anouk und ich vereinbaren unterdessen, dass ab jetzt jeden Tag Dienstag ist. So kommt das Ende der Woche nicht näher und wir haben immer noch ein paar Segeltage in Aussicht. Wir entscheiden uns als nächstes für einen Besuch in der der Hauptstadt von St. Thomas, Charlotte Amalie. Auf dem Weg dorthin gibt es wieder frisch gebackenes Brot vom Küchenchef.
Charlotte Amalie, von den Dänen gegründet und nach ihrer damaligen Königin benannt, ist heute ein wichtiger Stopp für Kreuzfahrtschiffe. Oft liegen mehrere dieser schwimmenden Hotels für mehrere tausend Gäste in der Bucht. Bei unserem Besuch ist es ruhig im Städtchen, nur ein Schiff ist da. Bänz lässt die zwei Touristinnen Sightseeing machen und kümmert sich in dieser Zeit im Waschsalon um die Wäsche für uns alle (wir haben bei der Buchung dieser Reise wohl versehentlich bei «all inclusive» angekreuzt!). Wir steigen die 99 Steps hoch und geniessen die Aussicht auf die Bucht. Das Angebot in den Läden ist mit vorwiegend zollfreien Uhren und Schmuck für die Kreuzfahrt-Touristen etwas einseitig und die Shopping-Tour deshalb rasch abgeschlossen. Nach dem Zmittag geht es weiter zur Flughafen-Bucht, da für eine weitere Strecke doch zu viel Zeit in der Stadt vertrödelt wurde. Die Jets starten und landen vor unserer Nase, aber mit dem Eindunkeln wird auch der Flugbetrieb weitgehend eingestellt und es wird eine ruhige Nacht.
Vieques ist vor Puerto Rico unsere letzte Insel. Nach einer angenehmen Fahrt erreichen wir Esperanza an der Südseite. Bänz führt uns direkt zu einem Tourenanbieter: von hier aus lässt sich die Bahia Mosquito, eine der drei biolumineszenten Buchten von Puerto Rico abends per Kajak erkunden (die Tour ist in früheren Blog-Beiträgen bereits beschrieben). Wir haben Glück und sind nur 4 Gäste auf der Tour. Der Guide verzichtet deshalb auf seine Stirnlampe und wir können das Leuchten im Wasser ganz ohne anderes Licht geniessen.
Auch ein Dienstag geht leider mal zu Ende: Die letzte Nacht am Anker, bevor es zurück in die Marina Puerto del Rey geht, verbringen wir vor der Playa Punta Arenas. Dieser menschenleere Palmenstrand bietet zum Abschluss eine grossartige Kulisse und damit ein weiteres Highlight dieser Reise.
Merci Bänz für die wunderbare und abwechslungsreiche Tour, deinen Rundum-Service und deine Geduld mit den zwei Landratten! Und: Alter Rum und dunkle Schoggi (die von Frey, mit Haselnüssen) passen wirklich gut zusammen im nächtlichen Cockpit unter dem Sternenhimmel!







































































