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Tobago Cays – Tauchen mit Turtles

Beim ersten Blick auf die Bucht hinter dem Horseshoe Reef in den Tobago Cays stockte mir der Atem. Soooo türkisblau habe ich das Meer in all den Jahren wirklich noch nie gesehen. Wow, das gibt es wirklich, ganz ohne Photoshop und Konsorten?! Mit einem Mal war ich schon ziemlich versöhnt mit unserem misslungenen zweiten Anlauf, nach Tobago zu kommen. Wenn schon nicht Tobago, dann sind die Tobago Cays wohl tatsächlich eine valable Alternative.

Jedenfalls in der Nachsaison, in der wir uns jetzt eindeutig befinden. Wir waren gemütlich am späten Morgen von Canouan losgefahren und nur mit etwa zwei Dritteln der Genua hierher gegondelt. Wie so oft gings zwischen den Felsen hindurch hinters Riff, mit Anweisungen à la „noch ein wenig mehr anluven“, „jetzt kannst Du 30 Grad abfallen“, „jetzt wieder anluven“, etc. Da wir etwa mittags unterwegs waren, stand die Sonne hoch genug, dass auch ich vom Steuer aus die hellen Stellen mit den Untiefen, um die wir herumkurvten, sehen konnte. Also relativ entspannt im Vergleich zu auch schon. Trotzdem hatte ich mich bis zum Ankermanöver aufs Fahren und den Kurs konzentriert und die Wucht der Farben erst spät realisiert.

Umwerfend. Ausserdem gab es genug Platz, um unseren Anker auf ca. 4m im schönen Sand zu platzieren. Wo in der Hochsaison wahrscheinlich 50 Boote und mehr liegen, waren es diesmal weniger als 20. Und wo wahrscheinlich alle paar Minuten ein Boat Boy vorbeikommt, und Barbecue und mehr anbietet, waren es diesmal nur zwei. Von „Taffa“, dem ersten, liessen wir uns die Preise angeben: die sind wohl eher auf Charterer mit zwei Wochen Ferienbudget ausgerichtet: 130 ECD für BBQ mit Fisch, 120 für BBQ mit Pork und 110 für mit Chicken… da wir sowieso noch Resten hatten, verzichteten wir freundlich dankend. Der zweite wollte uns Fisch verkaufen. Aber der kleinste, den er uns zeigen konnte, war ein mittelgrosser Tuna, der für mehrere Essen einer grösseren Crew gereicht hätte. Wir winkten ab. Am nächsten Tag kam er schon am Vormittag stolz daher mit zwei wirklich kleinen Red Snappers… Volltreffer! (Auch wenn das dann fast ein wenig wenig wurde… 😉)

Hinter dem Horseshoe Reef hängt man quasi direkt im Wind. Bei Hochwasser rollen die Wellen fast ungebremst über das Riff und es wird recht bumpy an Bord. Und wenn viel Wind ist, wie hier in den letzten Tagen ständig, dann kommen auch bei Niedrigwasser recht ansehnliche Windwellen hinzu. Ich kann mir vorstellen, dass es hier in der Hochsaison mit vielen Booten, wenig Platz für genügend Ankerkette, diversen Kamikaze-Skippern und auch da viel Wind nicht ganz so entspannt ist, wie wir es erlebt haben. Für uns waren die Bedingungen aber so schön, dass wir im TCMP (Tobago Cays Marine Park) Online-Portal gleich für zwei Nächte bezahlten und zwei wunderschöne Tage dort verbrachten. Zu unserer Überraschung gab es fürs Ankern nichts zu zahlen – nur die zwei Personen Marinepark-Gebühren fielen an. Zu je 15 ECD bzw. ca. 5.5 USD pro Person und Nacht eine sehr bescheidene Gebühr, fanden wir. Wir hätten auch die 60 ECD pro Nacht bezahlt, die gemäss unseren Informationen sowohl für die Mooringbojen als auch fürs Ankern anfallen würden, aber im Portal wurde das dann doch nicht verrechnet. Vielleicht auch ein Nachsaison-Preis? Die Park Rangers, die in ihrem gross angeschriebenen Boot am nächsten Morgen die Runde machten, verglichen nur jeweils Bootsnamen mit ihren Listen und sprachen uns gar nicht an. Online bezahlen wird überall inzwischen empfohlen, wo das möglich ist, weil man dann relativ sicher sein kann, dass das Geld tatsächlich dort ankommt, wo es soll. Von anderen Seglern hatten wir diverse Stories gehört über irgendwelche Typen, die „im Namen der Park Rangers“ das Geld einsammeln würden und man dann nicht sicher sei, ob nicht nachher die richtigen noch kommen… Tja, die Bevölkerung hier hängt halt wirklich zu 95% vom Tourismus ab.

Wir verbrachten zwei wunderschöne Tage (und etwas holprige, aber auch durchaus gute Nächte) vor dem Horseshoe Reef am Anker und genossen auch jeweils die wunderbaren Sonnenuntergänge.

Die Cays sind vor allem fürs Schnorcheln berühmt. Mit dem Dinghy gings zum winzigen Baradal Inselchen und von dort aus per Flossen und Schnorchel rundum, um mit den zahlreichen Turtles zu schwimmen. Auch einen wunderschönen Adlerrochen konnten wir wieder beobachten. Und am zweiten Tag, als wir uns ein wenig weiter hinaus ans Riff wagten, begegneten wir auch noch diversen anderen Fischen, insbesondere einem kleinen Hai, den es am Rücken mächtig juckte, so dass er sich an den Korallen rieb, dass man ihm das wohlige Gefühl so richtig glauben konnte. Auch unter sea magiX gab es Leben: wir boten einer ganzen Rochenfamilie offensichtlich gute Tarnung oder sonstigen Schutz.

Ein kleiner Spaziergang (in Crocs) auf das Inselchen “Petit Bateau” bot Gelegenheit für ein paar Panoramabilder mit der GoPro.

Für ab Pfingstsamstag war die nächsten Tage gewittriges Wetter mit weiterhin viel Wind angesagt und so verlegten wir „um die Ecke“ hinter das Inselchen Mayreau in die Salinas Bay, in der wir schon im Dezember (mit deutlich mehr Nachbarn) gelegen hatten. Auch die Salt Whistle Bay, die normalerweise proppenvoll ist, wirkte fast verlassen. Trotzdem zog es uns zur Salinas Bay, weil wir da noch mehr Platz zum Schwingen hatten. Wir teilten sie uns anfangs mit nur zwei anderen Ankerliegern. Später kamen weitere hinzu, aber mehr als 6 Boote waren es wohl nie. End of season. Für uns wunderbar, aber für die Locals, die vom Tourismus leben, eine harte Zeit.

Am Samstag paddelten wir mit dem Dinghy an Land. Und begegneten gleich als erstes Sally von der „Mirage“. Wir hatten sie und ihren Mann Paul, sowie den Solosegler Norman in Canouan auf einen Drink zu uns eingeladen und einen lustigen und interessanten Abend unter „Small Boat Sailors“ verbracht. Die Mirage ist eine Moody38 und Norman segelt eine Contessa 32. So viele kleine Boote in einer Bucht wie an jenen Tagen in Canouan haben wir schon lange nicht mehr erlebt! Vielleicht auch ein Nachsaison-Phänomen? Die Grossen sind schon abgehauen und nur noch die Kleinen übrig? Wobei sich das wahrscheinlich ändern wird, wenn wir bald etwas weiter südlich nach Grenada kommen. Da sammeln sich die Boote wieder, denn viele verbringen die Hurricane Zeit dort. In Canouan hatten wir nicht nur mit unseren Nachbarn „geaperölet“, sondern auch ein wenig spaziert (viel zu heiss zum Wandern ohne Schatten, fanden wir) und zweimal sehr fein im Ferry Terminal zu Mittag gegessen, nachdem wir beim zweiten Mal keine andere offene Alternative gefunden hatten. Eben auch Nebensaison.

Die rege Wiederaufbautätigkeit auf Canouan wird scheints stark von einem Engländer unterstützt, der nicht nur die Löhne der Menschen bezahlt, die im Ort und am Strand den Dreck zusammenputzen, sondern auch jener für die Dame im Tourist-/Souvenir-/Geschenkeladen. Und auch eben den Wiederaufbau des Ferry Terminals habe er finanziert, erzählten uns Sally und Paul von der Mirage.

Die Insel ist etwas speziell, denn eigentlich stehen sowohl Bewohnern als auch normalsterblichen Besuchern wie uns nur noch etwa ein Drittel der Inselfläche zur öffentlichen Verfügung. Das nördliche Drittel gehöre einem von einem Italiener geführten Konsortium und das südliche Drittel einer amerikanischen Firma, die auch die Luxusjachten-Marina dort betreibt. Wie der Doyle-Guide schreibt: ein wenig viel Absperrung für so ein kleines Inselchen, aber so ist das nunmal in diesem Teil der Welt.

Aber zurück zu Mayreau: diese Insel, sowie Union und Carriacou im Süden und eben auch Canouan im Norden waren 2024 vom Hurrikan Beryl direkt getroffen worden. Die Zerstörung muss unglaublich gewesen sein. Beim Spaziergang durch das Örtchen Mayreau sind die Spuren nicht zu übersehen. Einige Häuser werden gerade wieder aufgebaut. Andere Ruinen werden dem Zerfall überlassen. Wir werden von „Leroy“ zur Kirche geführt, in der 50 Personen Schutz gesucht hätten. Nur durch Zufall hätten sie wenige Minuten zuvor den Raum verlassen, bevor er vollständig einstürzte. Die Kirche (bzw. ihre Ruine) hat einen wunderbaren Ausblick über die Cays. Aber das bedeutet auch, dass sie sehr exponiert positioniert ist, bzw. war. Ob sie je wieder aufgebaut werden wird? Im Moment hängt die Glocke traurig an einem Baum und der Schutt der eingestürzten Wände breitet sich am Vorplatz aus.

Leroy erzählt uns auch, wieso wir Mayreau an diesem Pfingstwochenende so ausgestorben vorfinden. Es ist nicht nur, weil viele in der Nebensaison auf die grösseren Inseln ziehen, um dort noch etwas Arbeit zu finden. Es ist auch, weil alle anderen auf Petite Martinique sind, wo über die drei Tage die Petite Martinique Whitsuntide Regatta mit umfassendem Programm und grosser Party stattfindet. (Vgl. https://www.puregrenada.com/de/product/petite-martinique-whitsuntide-regatta-festival/) Ach so! Das erklärt einiges! Ständig fahren die typischen hiesigen Sperrholz-Fischerboote mit ihren grossen Aussenbordern, beladen mit 5-6 Passagieren, aus der Salinas-Bucht in Richtung Petite Martinique. Jetzt wissen wir, wieso. Zurück haben wir noch nicht viele kommen sehen… das muss ja ziemlich voll sein auf dem winzigen Inselchen!

Dann gabs noch einen kleinen Turtle Trail, dem wir folgten, sowie danach ein Hairoun-Bier zur Erfrischung.

Den Sonntag verbrachten wir an Bord mit Lesen, Schreiben, Brotbacken vorbereiten, etc. Der Wind pfiff böig über uns hinweg und brachte immer wieder Wolken vorbei. Aber nur ganz selten regneten die tatsächlich etwas ab über der Insel. Wie alle in dieser Region leidet auch Mayreau an grosser Trockenheit. Im Vergleich zum Mai vor einem Jahr finden wir es hier auch sehr viel trockener. Die täglichen Morgenschauer von 2025 haben dieses Jahr bisher keine Regelmässigkeit gezeigt. Natürlich ist das für uns angenehmer so, auch weil die Atmosphäre viel weniger drückend und schwer wirkt, als vor 12 Monaten. Aber die Trockenheit an Land ist extrem. Auch Pflanzen, die mit Trockenheit normalerweise gut umgehen können, lassen ihre Blätter hängen. Die Zisternen der Häuser sind alle leer. Und die Entsalzungsanlage, die nach Beryl von der UNO (Unesco steht drauf) gespendet wurde, ist mindestens seit Januar kaputt. Die Menschen sind auf Wasserlieferungen mit Tanklastwagen von der Fähre angewiesen. Leroy meinte, am 28.5., also in fast einer Woche, komme der nächste. Einmal mehr sinnieren wir über die „it’s broken“-Mentalität hier. Wäre es nicht im Sinne aller hier, dass sich einer um die Reparatur der Entsalzungsanlage kümmern würde? Aber vielleicht haben sie das ja auch gemacht und es fehlt am Geld für Ersatzteile oder so. Trotzdem – immer wieder fällt uns die Problematik hier auf. Ein Aussenborder liegt auf der Seite am Boden, sein Deckel leicht abgerutscht. Niemand hat den Deckel wieder aufgesetzt. Am Turtle Trail zur Ostseite der Insel stehen Lampenpfosten mit Solarlämpchen. Einige davon sind heruntergefallen, andere nur staubig/dreckig. Niemand kümmert sich darum. Sehr schade, aber wohl auch nachvollziehbar, denn es wird niemand das Geld haben, um solche Arbeiten zu bezahlen. Ein Teufelskreis, der uns das Privileg unserer Geburt zur rechten Zeit am rechten Ort mal wieder vor Augen führt. Und den Wert von langweiligen und mühsamen Unterhaltsarbeiten unterstreicht. Etwas, woran wir uns wohl bald in Trinidad erinnern werden müssen, wenns um den Unterhalt unserer braven sea magiX geht.

Allmählich rückt unser ungefährer Ankunftstermin auf Trinidad in die Nähe. Ungefähr am Sonntag in einer Woche möchten wir von Grenada losfahren, um am Montag, 31.5., oder am Dienstag, 1.6. auf Trinidad anzukommen.

Bis dahin gibt es noch einiges an Vorräten aufzuessen. Bald wird Fantasie gefragt sein, um interessante Kombinationen mit dem noch vorhandenen Reis und der Pasta an Bord zu kreieren. Eines ist sicher: auch ungeöffnete Reis- und Pastapackungen werden nicht an Bord bleiben dürfen. Man soll aus Fehlern ja vor allem lernen.

Vorerst aber geht es jetzt an den Sundowner des Tages. Der Gewitterschauer von soeben ist durchgezogen – diesmal mit einem kurzen aber heftigen Regen – und wir können uns wieder hinaus setzen und dem Sonnenuntergang (zwischen den Wolken) zusehen. Eine Woche haben wir noch – wir werden sie geniessen!