Rauf und Runter Wind

Schon ist Donnerstag unserer letzten Ferienwoche. Am Samstag wollen wir in Cuxhaven sein und am Sonntag geht’s heimwärts. So ist es klar, dass wir den schönen Tag zum Segeln nutzen wollen. Es bläst eine leichte Brise von etwa 3 Bft aus Süd und Südwest, was für die Elbe zum grössten Teil halben Wind bedeutet, und dazu scheint auch noch die Sonne.

Mit dem auslaufenden Wasser rauschen wir Elbe-abwärts, da erzählt mir der Skipper, er habe in Wedel am Clubhaus ein Inserat für eine Genua 2 mit Stagreitern gesehen. Er fragt sich, ob wir ein solches Segel nicht als Passatsegel nutzen könnten, weil es weniger hoch aber breiter wäre und wir es somit über der Reling ausbaumen könnten. Einen Anruf später ist die Option noch immer offen und die Besitzerin meint, sie könne jederzeit in Wedel sein, um es uns zu zeigen. Dumm nur, dass wir schon wieder einige SM Flussabwärts unterwegs sind.

Kurzerhand biegen wir rechts ab nach Glückstadt und ankern fürs Mittagessen vor dem kleinen Hafen im Strom. Mit der X-35 hatten wir dies hier auch schon bei ähnlichen Verhältnissen gemacht und dabei schlechte Erfahrungen gesammelt, als sich bei der Stromkenterung die Ankerleine um den Kiel wickelte, weil der Wind das Schiff über die Leine schob als der Strom nachliess. Diesmal haben wir aber eine Ankerkette und keine Leine, und zudem ist dem Skipper das Mittagsschläfchen gestrichen worden. Das Timing passt bestens, denn der Strom wird wirklich bald nach Mittag wieder auflaufen und Bänz kann die Zeit auch für weitere Occasions-Segel-Recherchen nutzen. Bald steht fest, dass wir die Gelegenheit ergreifen werden und uns in Wedel das Angebot gerne ansehen möchten, denn es wird für nur gerade 200€ Verhandlungsbasis offeriert.

Bei Glückstadt vor Anker

 

Recherche am Anker

 

Wir begegnen der Amerigo Vespucci

Also geht es am Nachmittag wieder den Weg zurück, den wir am Morgen gekommen sind und etwa um halb sechs sind wir wieder ein paar Plätze weiter am gleichen Steg wie morgens, sehr zum Erstaunen unseres Stegnachbarn.

Die Eigner des Segels, ein sehr freundliches Paar mit einer wunderschön gepflegten Stahljacht, wundern sich zwar, was wir mit einer X-Yacht mit Rollgenua mit ihrem Stagreitersegel anfangen wollen, aber als sich die Qualität des Tuchs und seine Verarbeitung als sehr solide und gut herausstellt, ist der Handel in kurzer Zeit vollzogen und schon haben wir ein Ding mehr, das irgendwo in der Achterkoje verstaut werden soll.

Der Abend ist wirklich schön und noch gibt’s eine kleine Brise. Bänz will nicht nochmals in Wedel bleiben, wo es ziemlich heiss und für die letzten Abende nur mässig romantisch ist. Aber Fluss-aufwärts, wohin der Strom momentan setzt, gibt es eigentlich nur noch Hamburg Sportboothafen, den wir kennen, und Finkenwerder, das von den ehemaligen Segelbesitzern als „nicht sehenswert aber gute Möglichkeit“ nicht gerade einladend beschrieben wurde. Die Konsequenz ist klar: Wir kreuzen bei minimalem Wind im möglichst seichten, weil weniger vom Strom betroffenen Wasser, mit gefühlten 200 Wenden gegen den Strom Fluss-abwärts. Kurz vor Stade ist dann auch dieser Wind ausgeblasen (und meine Arme allmählich auch) und wir finden in Stadersand ein Plätzchen am Steg, das für unsere Grösse ziemlich genau passt. Es waren alles in allem 44 SM „einfach so“ Schönwettersegeln auf der Elbe bei Rauf und Runter-Wind.

Kreuzen um die Containerschiffe

 

aber irgendwann ist auch die Brise eingeschlafen

 

Am Steg von Stadersand beim Eindunkeln